Mein Leben mit Google – Das gläserne Dorf und die Armee der Datensammler
Da ich meine Google Reihe mit einem Krönenden Abschluss zum Ende bringen möchte, schildere ich euch kurz, wie mein Leben durch Google beeinflusst wird. Wie würde es wohl ohne Google aussehen? Und was macht Google mit meinen Daten?
Der Beginn des Tages sieht eigentlich immer gleich aus. Ich falle total übermüdet aus dem Bett. Noch während ich mal wieder über die nicht weggeräumte Wäsche falle, schaffe ich es wie jeden Morgen im Sturzflug den Lichtschalter zu erwischen. Nach dem Aufschlag öffne ich die Augen, nur im sie sofort wieder zu schließen, weil es furchtbar blendet und denke mir dabei, welcher Idiot das Licht angemacht hat. Ich schiele zum Bett und wie jeder andere denke ich, fünf Minuten gehen noch, oder?
Dann fällt mir ein: Ne, vergiss es! Rechner anmachen! Also verlasse ich mein Schlafzimmer und mache mich auf den Weg zum Rechner. Ich drücke den Einschaltknopf. Und dann geht die Rennerei los. Jeden Morgen spiele ich meine Elektronik gegeneinander aus. Ich renne in die Küche und versuche meinen Kaffee fertig zu haben, bevor Windows geladen ist. Microsoft sei Dank ist es mir noch nie gelungen. Also komm ich mit Kaffee und Kippe im Mund an den PC und starte mein E-Mail Programm.
Schon wieder 150 E-Mails. Aber G-Mail sei Dank, 2GB Speicher und ich habe kein Problem. Jaja, wäre ich noch bei Web.de würde ich mich schwarz ärgern, weil ich das wichtigste verpasse und mir jeden Morgen erst einmal Platz im Postfach machen müsste. Aber Dank Google gehört das der Vergangenheit an.
E-Mails gecheckt. Alles gut. Da ich eh schon eingeloggt bin, schaue ich doch mal in die Analytics. Ist schon praktisch zu sehen wer woher kommt. Ich mag die Kartenübersicht. Viele Punkte auf einer Landkarte. Aus Spaß, und weil meine Augen eh noch nicht ohne Streichhölzer funktionieren, fahre ich mit der Maus über die größten Punkte und lese die Besucherzahlen der einzelnen Städte.
Mein System ist hochgefahren. Also bereite ich mich innerlich auf mein morgendliches Horrorszenario vor. Ich Wechsel in die Kontoübersicht und klicke. Mit zitternden Knochen denke ich, „lass das laufen“. Adsense geht auf und ich schaue auf meine Einnahmen. So eine sch… wieder zu wenig. Also wieder warten. Mr. Adsense hat mich schon wieder veralbert.
Sauer wie ich bin, mache ich mir einen neuen Kaffee. Das Resümee bisher: Ich habe drei Dienste von Google genutzt und noch nicht eine andere Seite aufgerufen. Ich habe schon Adrenalin in den Adern gehabt, habe mich über Besucher gefreut und mich über Mr. Adsense geärgert. Drei Emotionen in zehn Minuten. Das macht Google mit mir. Und Google sammelt Daten. Wo ich war und was ich wollte. Die Armee der Datensammler rückt vor. Sicherlich hat auch Microsoft schon registriert, das mein Computer online ist. Die Kavallerie angeführt von Google, mit blitzendem Säbel, fällt ein in das kleine beschauliche Dorf, genannt Privatsphäre.
Mit neuem Kaffee setze ich mich wieder vor den Rechner. Sicherlich hat die Armee der Datensammler meine Abwesenheit bemerkt, da schon seit 5 Minuten keine Eingabe getätigt wurde. Also wird abgestiegen und sich ruhig verhalten um die Einwohner des Dörfchens Privatsphäre nicht zu verschrecken.
Aber da ich wieder beschäftigt bin, kann man wieder aufsitzen. Ich öffne Feedburner um zu sehen ob meine Stammleser mir erhalten geblieben sind, oder ob ich gestern derartigen Müll geschrieben habe, dass sie sich in einem Anflug von Entsetzen von mir abgewandt haben. Und Google hat wieder etwas um die Pferdchen zu füttern. Der war bei Feedburner. Jetzt kennen wir seine Verbündeten. Werden uns nicht gefährlich also wird munter weitermarschiert.
Dann geht’s los. Die Suchmaschine wird geöffnet. Und der erste Suchbegriff eingegeben. Die Roboter rotieren. Die einen versorgen mich mit den Infos, während die anderen Verknüpfungen herstellen, um das Dörfchen Privatsphäre einzukreisen. Die Katapulte werden aufgestellt und geladen. Feuerbefehl abwarten.
Der nächste Suchbegriff. Und die Seile der Katapulte werden gekappt. Auf Privatsphäre prasseln Berge von Werbung herab. Die Bewohner, sichtlich irritiert, wissen nicht wohin sie klicken sollen. Also fassen wir einen klaren Gedanken. Pause. Und die Armee lauert.
Nach der Dusche, ruft der Rechner. Wie gebannt starre ich auf den Monitor und frage mich wonach ich vorhin eigentlich gesucht habe. Aus den Suchergebnissen kann ich es lesen und entscheide mich.
Wieder feuern die Katapulte. Die Häuser brechen ein, und die Werbung reißt tiefe Krater in die Wege. So geht das den ganzen Tag.
Am Abend wird es ruhiger. General Google, flankiert von seinen Kommandeuren Microsoft und seinem Schnellrichter Mr. Adsense betritt das Dörfchen Privatsphäre und schaut sich sein Machwerk an. Die Bewohner kommen ihnen entgegen und beklagen ihre gefallenen Kameraden. General Google schlägt nun vor: Wir bauen alles wieder auf. Hauptrohstoff wird Glas. Beim nächsten Besuch sehen wir dann im Voraus alles und niemand kommt zu Schaden. Also wird das kleine Dörfchen Privatsphäre durchsichtig und General Google zieht mit seiner Armee der Finsternis weiter in das nächste Dörfchen.
Kann ich ohne Google leben? Kann ich ohne zu atmen leben? Ohne Google funktioniert das Internet so, als wenn man zum telefonieren den Morsecode nutzen würde. Unkomfortabel und langsam, teilweise unverständlich und undurchsichtig.
Nein, ich kann nicht ohne Google leben.
Und was macht Google mit meinen Daten? Google erleichtert mir das Leben, indem Google bestimmt, was mich interessiert. Und je durchsichtiger ich werde, desto weniger bekomme ich mit von dieser Welt, denn Zensur und Vorselektion lenken mein tun und handeln, bis das der Strom abgeschaltet ist.
Zusammengefasst kann ich also sagen: Ohne Google wäre mein Leben um viele Emotionen ärmer, um einiges Leid leichter, um viele Gedanken schwerer und wesentlich unkomfortabler.
Könnte Google also kochen und abwaschen, bräuchte ich keine Frau mehr.
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